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Gründerzeit


Ein Streifzug durch die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Markt Bad Endorf

 

 

Der bestmögliche Schutz von hart erarbeitetem Hab und Gut vor drohenden Feuersbrünsten stand auch schon im Königreich Bayern Mitte des 19. Jahrhunderts im ureigenen Interesse der vornehmlich ländlichen Bevölkerung. Freiwillige „Löschmannschaften“ gab es zwar bereits schon länger, sie waren aber auf Grund sehr mangelnder Ausrüstung und vor allem ohne jegliche „taktische“ Organisation praktisch immer machtlos gegen die Gewalt ausbrechender Schadensfeuer.
Nicht anders als heute erwarteten die Bürger zwar von der Obrigkeit sicher auch schon ab dem ausgehenden Mittelalter Schutz und Hilfe vor katastrophalen Eigentumsschäden, sie waren aber dagegen nicht gewillt, auf örtlicher Ebene über den eigenen Besitzstand hinaus freiwillig an dieser Aufgabe mitzuwirken. Die Gemeinden mussten damals ihren Bürgern die Mitwirkung in der Feuersbekämpfung eher wie einen Frondienst ganz autoritär aufzwingen.

Alte Akten zeugen davon, dass die jeweiligen Ratsherren notgedrungen Pläne aufstellen mussten. Den Bauern und Handwerkern wurden geeignet erscheinende Tätigkeiten darin namentlich und unter unmittelbarem Zwang auferlegt. So wurde der Dorfmusikant kurzerhand zum „Hornisten“ verdonnert, der mit seinem Instrument den „Feuerlärm schlagen“ musste, die frühere Art der heutigen Alarmierung.

Die kräftigsten Bauernburschen wurde den „Spritzenzügen“ zugeordnet, die aus Leibeskräften die Pumpenschwengel auf- und abdrücken mussten. Erfahrene Handwerker wurden zu „Demolierern“ gemacht. Diese mussten schnellstmöglich ans Feuer angrenzende, noch unbeschädigte Holzbauten komplett abreißen und fortschaffen, um so eine Brandausbreitung zu verhindern. Aus heutiger Sicht völlig unvorstellbar. Früher hingegen meist die einzige Methode, bei völlig unzulänglicher Löschtechnik ein ausgebrochenes Feuer irgendwie wieder zum stoppen zu bringen.

Die mutigsten Männer wurden gebraucht um als „Steiger“ ganz oben auf die Feuerleiter zu klettern um von dort aus Hilfe zu leisten. Aber auch die besonders reichen Bauern, Gastwirte oder Bierbrauer waren unweigerlich eingeplant. Sie mussten unverzüglich ihre wertvollen Pferde und Gespannrösser, notfalls auch Zugochsen, zur Verfügung stellen, um Mensch und Material von der örtlichen „Feuer- Remise“ zum Brandort zu bringen. Ganz im Gegensatz zu heute war es damals ein besonderes Privileg für die Bürgermeister oder andere hochgestellte Ortsprominenz, bei der Brandbekämpfung das meist einzige vorhandene Strahlrohr „heldenhaft“ in der Hand zu halten und mit dem wenigen Wasser, das die „Löschknechte“ mit ihrer Muskelkraft und einfachen Handdruckspritzen über Hanfschläuche herbei pumpten, ins lodernde Feuer zu spritzen.

Lange vor der Gründung von organisierten Feuerwehrmannschaften hatte die Obrigkeit aber bereits ein Auge darauf, dass es möglichst gar nicht erst zum Ausbruch von Bränden kommen konnte. Auch in Endorf gab es aktenkundig schon im Jahre 1853 einen von der Gemeinde bezahlten „Feuerwächter“, der für seine Dienste eine jährliche Bezahlung von etwa 20 Gulden erhielt.

Die erlassenen Feuerschutz-Bestimmungen wurden allerdings auch damals oft nicht eingehalten. Das königliche Landgericht Prien bemängelt offiziell im Jahre 1855, unter anderem in der Gemeinde Endorf stünden scheinbar keine öffentlichen „Feuereimer“, also für jedermann im Notfall zugängliche Löschgeräte, in ausreichender Zahl zur Verfügung.

Ein Feuerwehr-Chronist der Endorfer Nachbargemeinde Eggstätt weiß außerdem zu berichten, dass es ausgehend vom Jahre 1831 eine „Spritzengemeinschaft“ zwischen den Gemeinden Eggstätt, Endorf, Hemhof, Breitbrunn, Gstadt, und Seebruck gab. Es wurde gemeinsam eine „Feuerlöschmaschine“ beschafft, für die jede Gemeinde einen Anteil von 100 Gulden zu zahlen hatte. Diese Feuerspritze wurde die ersten Jahre zunächst in den Stallungen von Schloss Hartmannsberg untergestellt. Doch in Anbetracht der Geografie der aneinander grenzenden Gemeindegebiete empfanden die östlich gelegenen Beteiligten offenbar diese Örtlichkeit als zu wenig zentral gelegen. Ab dem Jahre 1836 stand jedenfalls bis zur Aufkündigung dieser Spritzengemeinschaft um 1859 die Löschmaschine in der Remise der ehemaligen Poststation Weisham südöstlich von Eggstätt direkt an der dort vorbeiführenden Überlandstraße Rosenheim - Traunstein.

Ein interessantes Dokument fand Herr Knauer vom Bad Endorfer Geschichtsverein vor kurzem in den alten Ratsprotokollen des Endorfer Gemeindearchivs.
In einer Sitzung vom 26. März 1859 beschloss die Ratsversammlung, „den Erlös vom Verkauf der alten Feuerspritzen für den Kauf einer neuen“ zu verwenden. Dabei könnte es sich um eine anteiligen Verkaufserlös im Zusammenhang mit der aufgekündigten Spritzengemeinschaft handeln. Dass es außer der Gemeinschafts-Löschmaschine damals nämlich bereits andere Löschgeräte über die vorgeschriebenen Feuereimer hinaus im Ort gab, ist eher zu bezweifeln.
Welcher technischen Art diese genehmigte „neue“ Feuerspritze wohl war, ist nicht überliefert. Jedenfalls muss es 15 Jahre vor der Gründung der Endorfer Feuerwehr dann offensichtlich schon etwas fortschrittlichere Löschgeräte in der ortseigenen Vorhaltung gegeben haben.


 




 

Zwischen diesen Jahren und der Vereinsgründung der „Freiwilligen Feuerwehr Endorf“ im März 1874 verzeichnet die Chronik immer wieder katastrophale Großbrände im der näheren Umgebung, bei denen die betroffenen Gebäude fast immer bis auf die Grundmauern niedergebrannt sind. Bei der Gründungsversammlung treten dann bereits 16 Männer aus dem Ort als Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr bei. (Im Bild oben die ersten beiden Seiten des handgeschriebenen Stammbuches von 1874 der Feuerwehr Endorf, das im Originalzustand bis heute verwahrt wird) Schon zwei Monate nach der Gründung muss sich dann die junge Feuerwehrmannschaft hart bewähren, als sie zum Brandeinsatz nach Wasserburg gerufen wird. Auf dem Weg nach Wasserburg sehen die Männer bereits ab Halfing entsetzt die gewaltige Rauchsäule des riesigen Großfeuers, das direkt im Wasserburger Rathaus ausgebrochen war.
Im Bild oben Gründungsmitglied und erster Kommandant der FF Endorf Ludwig Hitzinger. Das Foto zeigt ihn im Alter von 74 Jahren anlässlich einer Ehrung. Trotz seines hohen Alters amtierte er zu diesem Zeitpunkt immer noch als Kommandant. Er leitete die Endorfer Feuerwehr volle 35 Jahre.

Eine Endorfer Löschutensilie damaliger Zeit war unter anderem eine sogenannte „Butterspritzn“. Dabei handelte es sich um einen tragbares, oben offenes Holzfassl mit einer Füllmenge etwa um die 50 Liter. Darin eingebaut war ein eisernes Pumpwerk, das mit einem Schwengel von Hand betrieben werden musste. Oben war eine fest montierte Düse angebracht, durch die ein Strahl Wasser einige Meter weit, je nach Kraftaufwand, schräg nach oben herausgespritzt werden konnte. Welche geringe Zielgenauigkeit des Löschwasserstrahles damit erreicht werden konnte, kann man sich leicht vorstellen.
Außerdem musste von Hand mit Eimern ständig Wasser in das Fassl nachgefüllt werden, damit das Löschen überhaupt weitergehen konnte. Seinen Namen hatte die „Butterspritzn“ von der äußeren
Ähnlichkeit des Gerätes mit den überall gebräuchlichen hölzernen Butterfassln, in denen die Bauern traditionell selbige herstellten.

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Endorfer Feuerwehr 1899 lässt die Vorstandschaft eine erste Vereinsfahne anfertigen. (Foto unten) Sie erhält am 12. Mai 1900 ihre Fahnenweihe. Diese unversehrt bis heute erhaltene Traditionsfahne wurde vor einigen Jahren fachgerecht restauriert und wird auch wieder mit Stolz bei allen feierlichen Anlässen der Endorfer Feuerwehrabordnung vorangetragen.

 

 

 

 

Die schweren Zeiten beider Weltkriege bringen das Feuerwehrwesen in Endorf fast bis zum völligen Erliegen. Doch der dörfliche Gemeinsinn im Ort hält auch in größter Not. So waren es nachweislich die „Frauen von Landing“ die, wie die Chronik berichtet, im Kriegsjahr 1915 bei einem Großbrand im Ortsteil Jolling die dringend benötigte Endorfer Löschmaschine heranschafften, da ja sämtliche männlichen Feuerwehrmitglieder schon längst zum Militärdienst abberufen waren.

In die durch Bombeneinschläge brennenden Stadtteile von München rücken im 2.Weltkrieg mehrmals Endorfer Feuerwehrgruppen aus, um dort bei der schwierigen Brandbekämpfung mitzuhelfen.

Es gab im damaligen Endorf kein zentrales Feuerwehrhaus, sondern die Löschrequisiten waren über das ganze Ortsgebiet verteilt deponiert. Damit war auch ein Gerätetransport „zu Fuß“ zu den Brandorten immerhin möglich. Es gab mehrere „Kompanien“, die in den verstreuten Weilern und Ortsteilen angesiedelt waren. Mitten im Ortsteil Hofham steht bis heute die erhaltene kleine Feuer-Remise der „4. Kompanie Hofham“ (Foto unten). Das Gebäude steht heute leer und ist in Privatbesitz.

 

 

 

Eine unerschütterlich bis heute erhaltene Tragsäule der Bad Endorfer Feuerwehr aus früheren Zeiten ist die damals im „Feuerhaus Landing“ beheimatete 3. Kompanie. Das marode kleine Gemäuer wurde schon vor Jahren abgerissen, jedoch die Enkel und Urenkel der damaligen Wehrkameraden aus den sogenannten „Heiligen Ländern“, den nordwestlich vom Ortskern gelegenen Weilern Landing, Engling, Patersdorf, Anzing, Stock und Hemberg sind immer noch aktiv und zuverlässig im aktiven Feuerwehrdienst. Sie sind heute fest in die Kernfeuerwehr Bad Endorf integriert und tragen aber noch heute den von damals überlieferten Namen „Der dritte Zug“ oder alternativ in Anlehnung an die alte Flurbezeichnung gleichermaßen humor- und respektvoll „Der heilige Zug“.

Eine weitere Besonderheit war die Mitwirkung einer „Betriebsfeuerwehr“ im öffentlichen Brandschutz. Das seit dem Bahnbau 1860 ständig expandierende Sägewerk „Wiebel“ in Bad Endorf verfügte jahrzehntelang über eine eigene „Betriebsfeuerwehr“, die noch um 1955 als „Löschgruppe Wiebel“ in den erhaltenen Protokollen und Mannschaftsaufstellungen immer wieder erscheint. Die Löschgeräte wurden von der Firma Wiebel auf eigene Kosten beschafft und verwaltet, waren aber fester Bestandteil des kommunalen Feuerschutzes. Die „Betriebsfeuerwehr Wiebel“ übte gemeinsam mit den anderen Kompanien und beteiligte sich auch an Einsätzen außerhalb des Sägewerkes. Utensilien wie alte fahrbare Holzleitern und Hanfschläuche fanden sich bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder in den Lagerräumen des ehemaligen Sägewerkes.

Das erste Gerätehaus der Endorfer Wehr im Ort war das schmale Nebengebäude direkt gegenüber dem Theaterhaus an der Rosenheimer Straße, das heute ein Reisebüro beherbergt (Foto unten). Neben den Feuerwehrzwecken diente dieses geschichtsträchtige Gebäude damals auch als Gemeindekerker. Hier wurden die vom Dorfgendarm verhafteten Übeltäter bis zur Abholung durch die übergeordnete Gericht vorübergehend eingesperrt.

 

 

 

Nach dem Kriegsende in den 1950ger Jahren bezog die Feuerwehr dann das ehemalige Feuerwehrhaus am Eisenbartlinger Weg, wo sie bis zum Jahre 1987 unter ständig zunehmender Platznot ihre Unterkunft hatte. Das Haus hatte zunächst zwei, später nach einem Anbau drei Garagen und im Obergeschoß einige eher recht kleine Gemeinschaftsräume. An die kraftraubende „Strafarbeit“, im hölzernen Schlauchtrockenturm die zentnerschweren nassen Schläuche mit einem Kurbelaufzug jedes Mal bis nach oben zu wuchten erinnern sich viele ältere Kameraden heute noch sehr gut.

 
 

Dieses Haus wurde nach dem Auszug der Feuerwehr einige Jahre als Unterkunft für die Rettungsfahrzeuge des Endorfer BRK verwendet. Im Jahr 1993 wurde das alte Gebäude abgerissen und ein Wohn- und Geschäftshaus an selber Stelle errichtet.

 





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